Die Andacht des heutigen Tages
Begrüßung
Schalom – Friede – Salam: In Gottes Namen sind wir zusammen.
Wir halten inne.
Wir schauen auf das, was uns sorgt.
Wir schauen auf das, was wir hoffen.
Wir schauen auf Gott.
Psalm 85,9-14
Wir beten mit Worten des 85. Psalms
Ich will hören, was Gott zu sagen hat.
Der Herr redet vom Frieden.
Er verspricht ihn seinem Volk und seinen Frommen.
Doch sie sollen nicht mehr zurückkehren
zu den Dummheiten der Vergangenheit!
Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die zu ihm gehören.
Dann wohnt seine Herrlichkeit wieder in unserem Land:
Güte und Treue finden zueinander.
Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.
Treue wächst aus der Erde empor.
Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.
Auch schenkt uns der Herr viel Gutes,
und unser Land gibt seinen Ertrag dazu.
Gerechtigkeit zieht vor ihm her
und bestimmt die Richtung seiner Schritte.
Amen
Lied „Erzähl mir vom Frieden"
1. Wir sind hier und bringen mit:
Unsre Sorgen um den Frieden.
Unsre Worte und Ideen
sind lebendig und verschieden.
Wenn wir singen und erzählen,
wird die Hoffnung uns nicht fehlen.
2. Wir sind hier und bringen mit:
Unsre Lieder und Geschichten,
Klang und Stille im Gebet,
das Bedrängende wird sich lichten.
Wenn wir unsre Träume teilen,
können tiefe Risse heilen.
Text: Susanne Brandt © Rechte bei der Autorin,
Melodie: Liebster Jesus (EG161), Johann Rudolf Ahle, 1664
Lesung
Aus Apostelgeschichte 15
Paulus, Barnabas und ihre Begleiter geraten in Jerusalem mit einigen Menschen aus der Gemeinde in Streit. Wie gehen sie vor angesichts verschiedener Meinungen?
Die Apostelgeschichte berichtet:
…Daraufhin versammelten sich die Apostel und die Gemeindeältesten, um über diese Frage zu beraten. Dabei kam es zu einem heftigen Streit. Da stand Petrus auf und sagte zu ihnen: »Brüder, ihr wisst doch, dass Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen hat: Durch meine Verkündigung sollten die Menschen aus den anderen Völkern die Gute Nachricht hören und zum Glauben kommen. Gott, der ja die Herzen kennt, hat das selbst bestätigt: Er hat auch ihnen den Heiligen Geist gegeben – genauso wie uns. Er hat keinen Unterschied zwischen uns und ihnen gemacht. Durch den Glauben hat er ihre Herzen von allen Sünden gereinigt. Warum stellt ihr nun Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken?
…Da schwieg die ganze Versammlung und hörte Barnabas und Paulus zu. Sie berichteten von den Zeichen und Wundern, die Gott durch sie bei den Menschen aus anderen Völkern vollbracht hatte.
Gedanken
Am Ende ein Kompromiss
„Eigentlich wollen wir doch alle das Gleiche…“ Wie kommt es, dass wir ausgerechnet im kirchlichen und christlichen Miteinander teilweise so unversöhnlich miteinander umgehen? Dass trotz jahrzehntelanger ökumenischer Bemühungen immer noch kirchentrennende Hürden bestehen, die einfach nicht überwunden werden? Wieso können wir nicht einfach gemeinsam unseren Glauben miteinander leben und feiern?
Beileibe keine neuen Fragen: So kam es in den frühen Gemeinden bald zu einem Streit, ob man, um Christ zu werden, erst Jude werden muss. Auf dem sogenannten Apostelkonzil konnte dafür ein Kompromiss gefunden werden. Die Berichte in der Apostelgeschichte (Apg.15) und im Galaterbrief (Gal. 2) geben Einblick in die Situation und die Frage, wie ein Konflikt gelöst werden kann.
Die Konfliktpartner setzen sich zusammen und erzählen einander ihre Positionen. Sie kommen ins Gespräch, sprechen den Konflikt offen an. Sie zeigen sich im Erzählen persönlicher Erfahrungen einander und machen sich be- und angreifbar. Und sie hören einander wechselseitig zu. In dieser Offenheit kann der Dissens wahrgenommen und neue Wege gefunden werden.
Am Ende des Austauschs stand ein Kompromiss, wodurch gemischte Tischgesellschaften von Juden- und Heidenchristen möglich wurden: man sollte auf Götzenopferfleisch, Blut und Ersticktes (also nicht geschächtetes Fleisch) verzichten und achtsam leben.
Wichtiger als der genaue Gesprächsverlauf scheint die Haltung zu sein, mit der sich begegnet wurde und dass beide Parteien nicht auf ihre Wahrheit und ihr Recht bestanden, jedoch mit ihren Anliegen gesehen wurden.
(Pastor Jens Haverland, evangelischer Referent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) in der Ökumenischen Centrale Frankfurt)
Lied „Erzähl mir vom Frieden"
3. Wir sind hier und bringen mit:
Mut für Widerstand und Vertrauen,
dass wir mit Gottes Geist und Geduld
immer wieder Brücken bauen,
zu Gewalt und Krieg nicht schweigen,
sondern andre Wege zeigen.
Text: Susanne Brandt © Rechte bei der Autorin
Melodie: Liebster Jesus (EG161), Johann Rudolf Ahle, 1664
Gebet
Aus deinem Frieden leben wir, Gott.
Lass uns das nicht vergessen in unfriedlichen Zeiten.
Wir bitten für alle,
deren Leben in Frieden bedroht ist durch Krieg und Gewalt.
Wir sehnen uns nach gerechtem Frieden in der Welt.
Lass uns einander erzählen vom Frieden,
öffne unsere Ohren zum Hören
und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
In der Stille beten wir…
Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Lied "Bewahre uns, Gott"
Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.
Text: Bewahre uns, Gott EG 171,
Melodie: Anders Ruuth, Text: Eugen Eckert, Strube Verlag, 1985
Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.