Die Andacht des heutigen Tages
Begrüßung
Schalom – Friede – Salam: In Gottes Namen sind wir zusammen.
Wir halten inne.
Wir schauen auf das, was uns sorgt.
Wir schauen auf das, was wir hoffen.
Wir schauen auf Gott.
Psalm 85,9-14
Wir beten mit Worten des 85. Psalms
Ich will hören, was Gott zu sagen hat.
Der Herr redet vom Frieden.
Er verspricht ihn seinem Volk und seinen Frommen.
Doch sie sollen nicht mehr zurückkehren
zu den Dummheiten der Vergangenheit!
Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die zu ihm gehören.
Dann wohnt seine Herrlichkeit wieder in unserem Land:
Güte und Treue finden zueinander.
Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.
Treue wächst aus der Erde empor.
Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.
Auch schenkt uns der Herr viel Gutes,
und unser Land gibt seinen Ertrag dazu.
Gerechtigkeit zieht vor ihm her
und bestimmt die Richtung seiner Schritte.
Amen
Lied „Erzähl mir vom Frieden"
1. Wir sind hier und bringen mit:
Unsre Sorgen um den Frieden.
Unsre Worte und Ideen
sind lebendig und verschieden.
Wenn wir singen und erzählen,
wird die Hoffnung uns nicht fehlen.
2. Wir sind hier und bringen mit:
Unsre Lieder und Geschichten,
Klang und Stille im Gebet,
das Bedrängende wird sich lichten.
Wenn wir unsre Träume teilen,
können tiefe Risse heilen.
Text: Susanne Brandt © Rechte bei der Autorin,
Melodie: Liebster Jesus (EG161), Johann Rudolf Ahle, 1664
Lesung
1 Samuel 24, 1-19
Von dort ging David nach En-Gedi und hielt sich in den Bergfestungen versteckt.
Als Saul von der Verfolgung der Philister zurückkam, erreichte ihn die Nachricht:
»Pass auf, David ist jetzt in der Gegend von En-Gedi!« Da nahm Saul 3000 Mann mit sich, es waren die besten Soldaten aus ganz Israel.
Mit ihnen machte er sich auf die Suche nach David, der mit seinen Leuten bei den Steinbock-Felsen war. Dort waren auch Pferche für die Schafe. Als Saul an ihnen vorbeikam, sah er eine Höhle und ging hinein. Denn er musste sich dringend erleichtern.
In der hintersten Ecke der Höhle aber hielten sich David und seine Männer versteckt.
Da flüsterten Davids Männer ihm zu: »Es ist so weit! Das ist der Tag, von dem der Herr zu dir gesagt hat: Ich gebe deinen Feind in deine Hand. Tu mit ihm, was du für richtig hältst!«
Da stand David auf, schlich sich heran und schnitt einen Zipfel von Sauls Mantel ab. Hinterher bekam David ein schlechtes Gewissen, weil er Saul den Mantelzipfel abgeschnitten hatte. Daher sagte er zu seinen Männern:
»Nie und nimmer, das schwöre ich beim Herrn, werde ich Hand an den Gesalbten des Herrn legen. Ich werde Saul, meinen Herrn, nicht antasten. Denn er ist der Gesalbte des Herrn!« So wies David seine Leute in die Schranken und verbot ihnen, sich an Saul zu vergreifen.
Saul hatte sich erhoben und die Höhle verlassen. Als er schon ein Stück gegangen war, trat David aus der Höhle und rief Saul hinterher: »Mein Herr und König!«
Als Saul sich nach ihm umschaute, sank David auf die Knie und verneigte sich.
Dann sagte David zu Saul: »Warum hörst du auf das Gerede der Leute, die sagen, David habe Böses gegen dich im Sinn? Heute hast du mit eigenen Augen sehen können, dass das nicht stimmt. Als du heute dort in der Höhle warst, hat der Herr dich in meine Hand gegeben. Jemand oder etwas wollte mich dazu drängen, dass ich dich töte. Doch ich habe dich verschont, ich habe gesagt: Ich werde Saul, meinen Herrn, nicht antasten. Denn er ist der Gesalbte des Herrn.
Gedanken
Davids Lektion
"Jemand - oder etwas - hat gesagt, ich soll dich töten", sagt der flüchtige David zu König Saul, aber natürlich hat David nichts dergleichen getan. Vor zweitausend Jahren rätselten die Rabbiner über diesen "Jemand" oder dieses "Etwas", das David zum Mord drängte, und kamen zu dem Schluss, dass es tatsächlich die Thora war. So entstand die Lehre vom Präventivschlag, die sich wie folgt ausdrückt: "Wenn jemand kommt, um dich zu töten, dann steh früh auf, um ihn zu töten." So wurde eine wunderbare Geschichte, die ein Beispiel für Zurückhaltung ist, zur Grundlage für die Auslösung von Gewalt, und leider hört man es aus dem Mund von Kindern, ein elftes Gebot, das das sechste, "Du sollst nicht töten", untergräbt.
In unserer unruhigen Welt bringt die grassierende Unsicherheit die Menschen dazu, Davids wunderbare Lektion der Gewaltlosigkeit zu vergessen und sich für die gewalttätige Option zu entscheiden, die immer eine gewalttätige Antwort und einen endlosen, hoffnungslosen Kreislauf der Gewalt hervorruft.
(Rabbiner Jeremy Milgrom, Jerusalem)
Lied „Erzähl mir vom Frieden"
3. Wir sind hier und bringen mit:
Mut für Widerstand und Vertrauen,
dass wir mit Gottes Geist und Geduld
immer wieder Brücken bauen,
zu Gewalt und Krieg nicht schweigen,
sondern andre Wege zeigen.
Text: Susanne Brandt © Rechte bei der Autorin,
Melodie: Liebster Jesus (EG161), Johann Rudolf Ahle, 1664
Gebet
Aus deinem Frieden leben wir, Gott.
Lass uns das nicht vergessen in unfriedlichen Zeiten.
Wir bitten für alle, deren Leben in Frieden bedroht ist durch Krieg und Gewalt.
Wir sehnen uns nach gerechtem Frieden in der Welt.
Lass uns einander erzählen vom Frieden,
öffne unsere Ohren zum Hören und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
In der Stille beten wir…
Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Lied "Bewahre uns, Gott"
Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.
Text: Bewahre uns, Gott EG 171,
Melodie: Anders Ruuth, Text: Eugen Eckert, Strube Verlag, 1985
Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.